Führung über den Geusenfriedhof

Der Geusenfriedhof in Köln - Lindenthal ist der älteste evangelische Friedhof des Rheinlandes. Unzählige Male war ich in den vergangenen Jahren an dieser Anlage an der Kreuzung Weyertal / Kerpener Straße vorbeigefahren, aber erst durch die Idee unseres Kulturkreises zu einer Führung mit Günter Leitner hatte ich endlich Gelegenheit, diesen Friedhof einmal näher kennen zu lernen. So wie mir schien es auch vielen anderen Mitgliedern gegangen zu sein, denn der Zuspruch für diese Veranstaltung war so groß, dass gleich zwei Termine angesetzt werden mussten.

Herr Leitner führte uns zunächst ein wenig in die Geschichte dieses Friedhofes ein: Bei seiner Erstbelegung im Jahr 1584 befand sich das Grundstück außerhalb der Stadttore Kölns und bot während der Gegenreformation zunächst die einzige Möglichkeit der Bestattung evangelischer Christen. Die Bezeichnung ist auf niederländische Protestanten zurückzuführen, die als Glaubensflüchtlinge nach Köln kamen und als Geusen bezeichnet wurden. Geusen (abgeleitet aus dem französischen Wort gueux für Bettler) nannten sich die niederländischen Freiheitskämpfer während des Achtzigjährigen Krieges.

Im katholischen Köln des 16. Jahrhunderts unterlagen Menschen, die sich offen zu den Schriften Martin Luthers bekannten, der Verfolgung durch den einflussreichen Klerus. In diesem Klima stiftete die Katholikin Ursula von Gohr zu Kaldenbroek 1574 ein Grundstück zur Anlage eines Friedhofes vor dem Weyertor. Der rund 7.200 m² große Friedhof war damit die erste und einzige Möglichkeit für evangelische Kölner, ihre Verstorbenen auf einem christlichen Friedhof zu bestatten. Erst als die französischen Revolutionstruppen 1794 die Stadt am Rhein besetzten und den Kölner Bürgern das Recht auf Religionsfreiheit zusicherten, feierten die bis dahin heimlichen Gemeinden ihren ersten öffentlichen Gottesdienst. Ab dem Jahr 1829 durften schließlich auch auf dem Kölner Melatenfriedhof erstmals evangelische Christen bestattet werden, was dazu führte, dass der Geusenfriedhof nur noch bis ins Jahr 1875 belegt und danach geschlossen wurde.

1930 wurde der Friedhof inventarisiert und es konnten 300 Grabsteine nachgewiesen werden. Der im Jahr 1972 an die Stadt Köln rückübereignete Friedhof steht heute unter Denkmalschutz. Eine Vielzahl von Grabplatten konnte bereits mit Unterstützung des Landes restauriert werden, eine Vielzahl ist jedoch auch zugewachsen und verwittert und womöglich nicht mehr wieder herzustellen.

Günter Leitner konnte uns aufgrund seines schier unendlichen Wissens nahezu zu jeder Grabstelle eine Geschichte erzählen und machte uns insbesondere auf die unterschiedlichen Gestaltungen der Gräber aufmerksam: Grabplatten mit Inschriften und Wappen, Grabsteine mit Deckelvasen und Hausmarken, aufrechte klassizistische Stelen und Obeliske mit Bildmetaphern für Tod, Vergänglichkeit und Auferstehung. Wir erfuhren über die Grabstelle der Firma Herstatt genauso etwas wie über die mit einem Sensemann verzierte Grabplatte von Johannes Böcking oder die der Familie Rhodius.

Zwei Stunden waren viel zu schnell vergangen. Eine tolle Idee unseres Kulturkreises und eine Empfehlung an Jeden, der nicht dabei sein konnte, den Geusenfriedhof - am besten mit Günter Leitner - einmal zu besuchen.

Michael Melles

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