Drei Krune för et Chressfess

 

17:00 Uhr, Alter Markt, Köln.

Wir schreiben den 27. November 2016. Meine Füße tasten sich über das alte Kopfsteinpflaster des Marktplatzes, der von tausenden Lichtern sanft erhellt wird.

In den Baumkronen hängen Laternen und große rote Lichterherzen, die mir wohl sagen sollen, dass in dieser Vorweihnachtszeit die Herzen der Menschen sich öffnen werden. Dass sie empfänglich sind für frohe Botschaft und Mitgefühl. An meiner Seite Rolf, der Nachbar, der mich durch die Ungewissheit dieses Abends begleiten wird und mich vor den Dämonen der Nacht schützen kann (hoffentlich).

Wir sind auf dem Weg zu einem fast geheimen, verwunschenen Ort, dem Eisenmarkt, tief in der Altstadt versteckt. Mehrfach habe ich mich schon auf dieser Strecke verirrt, bin falsch abgebogen, stand vor den Auslagen undurchsichtiger Etablissements oder sogar vor dem Eingang eines verwunschenen Thermalbades, das mich mit erlösenden Versprechungen in sein Inneres locken wollte.

Gott sei Dank ist Rolf bei mir!

Wir erreichen den schönsten Platz Kölns und stehen erleichtert vor dem Hänneschen-Theater, welches uns mit lärmendem, kölschduftendem Leben empfängt.

Das ist gut so, denn ein Kölsch schmeckt fast immer, erst recht, wenn ungewiss ist, wie sich der Abend entwickeln wird. Also guten Mutes ein Getränk genossen und dann ab in die Dunkelheit des Zuschauerraumes. Gedämpftes Licht, leise Klänge, die zuerst gar nicht einzuordnen sind und sich dann doch als Weihnachtsmusik zu erkennen geben.

Wir sind also angekommen im großen Spiel um das Geheimnis der drei Kronen, die für unsere Stadt so bedeutsam sind.

Den ersten Schreck müssen wir verdauen, als eine kölnische Kirchenmaus (pardon Domkirchenmaus) eine Düsseldorfer! Touristenkatze bei der Pfote nimmt, um ihr die Geschichte zu erläutern. Das ist bei Düsseldorfern auch wohl nötig.

Dann öffnet sich das ganze Universum des Schälschen Trödel- und Antiquitätenladens.

Von vorweihnachtlicher Gemütlichkeit keine Spur, alle arbeiten, lästern schon mal und träumen laut von freien Tagen zuhause. Schäl hat natürlich mit Weihnachten nix am Hut, die Stimmung ist gedrückt. Nur Hänneschen und Bärbelchen hüpfen unberührt durch die Szenerie und lassen sich nicht erschrecken.

Es kommt ein vermeintlicher Bettler in den Laden, um eine frohe Weihnacht zu wünschen.

(Ich kann nicht alles verraten, das Stück ist so wunderbar, dass ich Euch empfehle, selbst zum Isermaat zu gehen und Euch von der Geschichte verzaubern zu lassen.)

Mit Donner und sehr effektvollem Licht werden wir in die Geschichte geradezu hineingesogen. Von den großartigen Bühnenbildern brauche ich wahrscheinlich nicht zu sprechen, die begeistern uns immer wieder.

Kurz und gut, Schäl wird bei der Hand genommen und in seine Vergangenheit geführt, ohne dass er in das Geschehen eingreifen kann. Schäl erkennt, dass nicht alles, was er getan hat, so gut war, wie er es in Erinnerung hatte. Ebenfalls wird deutlich, warum er so ein Weihnachtshasser ist.

Danach begleiten wir ihn in die Zukunft, da wird es wirklich schlimm. Das ist selbst für Schäl zu viel und er schwört Besserung.

Jedes Mal, wenn er ein Versprechen gegeben hat, erscheint eine goldene Krone, bis alle drei glänzend auf der Bühne liegen. Natürlich werden sie von den jetzt fröhlichen Protagonisten zum Ort ihrer rechtmäßigen Aufbewahrung, dem Dreikönigenschrein im Dom, gebracht.

Zur Vollendung des wahren Schäl-Wunders erscheint im letzten Bild der Laden im festlichen Glanz eines pompösen Weihnachtsbaumes. Schäl lädt alle Beteiligten zum Weihnachtsessen ein, dreimal muss der Metzger wegen der großen Gästeschar bemüht werden, und selbst das Klavier ist frisch gestimmt zum Singen von „Oh, du fröhliche“.

So wollen wir auch den Düsseldorfern ihre Herkunft vergeben, da eine echte Flönz nur mit Düsseldorfer Löwensenf richtig gut schmeckt.

Die rechtsrheinischen Stadtteile sind uns mittlerweile ebenfalls herzlich willkommen. Gelegentliches Piesacken ist wahrscheinlich nicht zu vermeiden.

 

So treten Rolf und ich beseelt den Heimweg an, der Heumarkt lockt plötzlich mit unglaublichen Düften, der Schrecken der Dunkelheit ist wie weggeblasen.

Wir lassen uns treiben zum Alter Markt und gelangen wie zufällig zur Alpenstube mit Spießbraten, Grünkohl und Currywurst. Ihr könnt Euch denken, was passierte…

Der Glühwein danach hat, bei Blechbläsermusik, ebenfalls köstlich gemundet.

Was haben wir doch für eine schöne Stadt.

Wobei ich schon nachdenklich werde, wenn ich mir überlege, woher das Hänneschen-Theater sein nächstes „Ekelpaket“ nehmen wird, wenn Schäl so wunderbar geläutert ist…

 

 

Ilse Sieweke

 

Joomla Installation by ialla.com