30.07.2015, Carmen Thomas präsentiert die Kandidaten zur Nachfolge des OB Jürgen Roters: Henriette Reker

 

In Köln wird am 13.09.2015 ein neuer Oberbürgermeister gewählt. Nachdem sich der jetzige Amtsinhaber Jürgen Roters gegen eine erneute Kandidatur entschieden hat, wetteifern die Kandidaten derzeit um die Gunst der Wähler und Wählerinnen.

 

Die Kölner Bürgergesellschaft von 1863 hat das Geschehen in ihrer Stadt immer im kritischen Blick und verfolgt den Wahlkampf aufmerksam. Damit sich die Mitglieder und Freunde der BG eine möglichst objektive Meinung bilden können, hat die BG die beiden Hauptpersonen des Wahlkampfs zu einer Vorstellungs- und Diskussionsrunde eingeladen.

 

Ursprünglich war geplant, die Kandidaten in einer Podiumsdiskussion „gegeneinander antreten“ zu lassen, doch die mehr als vollen Terminpläne der Bewerber um das höchste Amt in Köln konnten nicht übereingebracht werden.

 

Daher entwickelte der Vorstand zusammen mit der Moderationsikone Carmen Thomas die Idee, die Hauptakteure Henriette Reker und Jochen Ott einzeln in getrennten Veranstaltungen interaktiv mit dem Publikum vorzustellen.

 

Am 30.07.2015 fand der erste Termin mit Frau Henriette Reker statt. Am 04.09.2015 folgt der zweite mit Herrn Jochen Ott. Aus Zeitgründen beschränkte man sich auf die beiden Kandidaten mit den größten Erfolgsaussichten.

 

Carmen Thomas ist den meisten bekannt als Moderatorin des „Hallo Ü-Wagen“ (1974-1994) und bekannt dafür, direkte Fragen zu stellen und ihr Publikum aktiv in die Moderation einzubinden. Die Wahl des neuen Oberbürgermeisters liegt ihr besonders am Herzen, weil es „um die beste Lösung“ geht „und nicht darum, sie zu verhindern, weil ein Vorschlag von der falschen Seite kommt“ (Zitat aus URL: http://www.express.de/koeln/carmen-thomas-liebt-ihre-wahlheimat-in-koeln-sehen-alle-nach-nix-aus---super-,2856,31207002.html).

 

Unter dieser Überschrift empfing Sie an diesem Abend im Leonardo Royal Hotel am Stadtwald auf dem eigens dafür eingerichteten Podium Frau Henriette Reker. Nach kurzer Einführung durch den Vorstandsvorsitzenden Michael Melles übergab dieser das Mikrofon an die Moderatorin Thomas, die durch den in drei Teile gegliederten Abend führte.

 

 

1. Einführung im Dialog der Frau Thomas mit Frau Reker

Zunächst begab sich Frau Thomas im Dialog mit Frau Reker daran, deren Werdegang zu erfragen und die sich daraus ergebenden Preferencen herauszuarbeiten. Hier in Stichworten das Ergebnis:

 

  • geboren am 09.12.1956 im Hildegardis Krankenhaus in Köln-Lindenthal

  • aufgewachsen in Bickendorf

  • in Lindenthal zur Schule gegangen

  • Abitur 1975

  • Aufnahme des Jura-Studiums 1976 an der rechtswissenschaftlichen Fakultät der Kölner Universität. - Das Geld für das Studium hat sie übrigens u.a. bei EMI Elektrola selbst verdient.

  • Wechsel nach Regensburg der Liebe wegen (allerdings kam es dann nicht zum Eheversprechen)

  • weiter nach Göttingen

  • Referendarausbildung beim Justizprüfungsamt NRW in der „verbotenen Stadt“ Düsseldorf

  • Abschluss des 2. Staatsexamens 1986 am Landgericht Münster

  • Danach fiel die Entscheidung für den öffentlichen Dienst

  • Von 1990 bis 1992 war sie als Sachbearbeiterin bei der Berufsgenossenschaft Holz und Metall in Bielefeld tätig

  • 1996 erhielt sie ihre Zulassung als Rechtsanwältin am Münsteraner Landgericht

  • bis 2000 arbeitete sie als Justiziarin beim Landesverband der Innungskrankenkassen Münster

  • Im Jahr 2000 trat sie ihre Stelle als Beigeordnete für Soziales, Gesundheit und Verbraucherschutz der Stadt Gelsenkirchen an

  • Von Juli bis November 2005 übernahm sie vorübergehend zusätzlich die Leitung des Vorstandsbereichs Finanzen, Immobilienmanagement und Feuerwehr sowie von August 2009 bis Mai 2010 die Leitung des Vorstandsbereichs Finanzen und Feuerwehr

  • Am 21.09.2010 wechselte sie auf Vorschlag der Grünen als dortige Beigeordnete für Soziales, Integration und Umwelt nach Köln.

 

 

Die Eltern:

  • der Vater war Chefkoch im Senatshotel, dem Stammsitz der BG - und hat dessen Kücheneinrichtung seinerzeit selbst ausgewählt, eine gemeinsame Schnittmenge mit der Kölner Bürgergesellschaft. Er starb an dem Tag, als Frau Reker ihre Abiturprüfung hatte

  • die Mutter arbeitete als Kontoristin in der Verwaltung

 

 

Auf die Frage der Moderatorin, was sie gut könne, gibt Frau Reker ihre Eigenschaften wie folgt an:

  • Zielorientiertheit und Genauigkeit

  • Menschen mitnehmen

  • verändert gerne

  • Aufgeschlossenheit, Kontaktfreudigkeit

  • Unabhängigkeit, keinem Parteibuch verschrieben

  • streitet gerne in der Sache

  • Menschen ernst nehmen

  • Ergebnisorientiertes Arbeiten, ohne jemanden zu vergraulen

 

Auf die Frage, was sie nicht könne, antwortete Frau Reker:

  • Sie sei zu genau

 

 

Mit ihrer Frage nach den Aufgaben, die nach Einschätzung Frau Rekers auf den künftigen Kölner OB zukommen, präsentiert Frau Thomas einen Turm einzeln aufeinander gestapelter Kartons, mit Themenaufklebern:

  • Wohnraum

  • Umwelt und Klima

  • Stadtverwaltung und Finanzen

  • Stadtentwicklung und Verkehr

  • Soziales und Inklusion

  • Multikulturelle Vielfalt, Köln ist bunt

  • Sport

  • Kinder und Familie

  • Wachsende Metropole

  • Bildung

 

Der Karton mit dem für sie wichtigsten Aufkleber fehlte, stellte Frau Reker fest:

  • Wirtschaftsstandort Köln - er bestimme die finanziellen Möglichkeiten der Stadt.

 

 

Auf die Frage der Moderatorin, was denn die vorrangigen Punkte seien, die Frau Reker beabsichtige anzugehen:

Sie sei sich der angespannten Finanzlage bewusst und habe deshalb schon heute unruhige Nächte. Ihre erste Amtshandlung wäre eine Bestandsaufnahme der zur Verfügung stehenden Finanzmittel. Vorzeitige Versprechungen seien unseriös, so lange man nicht wisse, worüber die Stadt tatsächlich verfügen könne. Dann sei es wichtig, die Gelder nicht nach dem „Gießkannenprinzip“ zu verteilen, sondern nach einer Prioritätenliste. Diese Liste solle dann so umgesetzt werden, dass einzelne Dinge richtig und vollständig umgesetzt werden könnten, anstatt viele Punkte nur halb anzupacken. Punkte die weiter unten auf der Prioritätenliste stünden, müssten halt länger warten.

 

 

Auf die Frage, was das Schönste sei, dass sie geschafft hätte, erklärt Frau Reker:

  • Ernst genommen zu werden

 

 

Zu den größten Herausforderungen, die auf den künftigen Kölner OB zukommen, zählt Frau Reker:

  • Der Bevölkerungszuwachs Kölns, die vielen Migranten, die alle stolz auf ihre Heimatstadt Köln sein sollten. Die Metropole soll nach aktuellen Schätzungen bis 2040 um 1/5 ihrer heutigen Bevölkerungsmenge kontinuierlich wachsen

  • Die Zuwanderung wird die Stadt Köln verändern, ein offener Dialog mit den Menschen ist Voraussetzung für die Zukunft

  • Ein Rat der Religionen ist dabei ein wichtiges Instrumentarium

  • Die Finanzen bereiten Frau Reker schon heute Bauchschmerzen. Um den Haushalt steht es schlimm. 11 Jahre Erfahrung in Gelsenkirchen haben Frau Reker geprägt. Als dort tätige Kämmerin weiß sie, wie schwierig es ist, einen soliden Haushalt auf die Beine zu stellen und möchte eigentlich nicht die erste sein, die den Kölnern wehtut.

 

 

2. Nachfragen durch das Publikum

Nun hat ein erster Teil des Publikums das Wort und stellt einer nach dem anderen seine Fragen, die Frau Reker anschließend beantwortet:

 

  • F: Einer Dame aus dem Publikum ist die Frage nach der Sicherheit ein Anliegen. Sie hat Angst vor Einbrüchen und anderen Verbrechen. Dies ist ein Thema insbesondere auch für die etwas älteren Mitmenschen, die inzwischen häufiger Opfer brutaler Überfälle sind.

A: Zur allgemeinen Sicherheit besteht zweifelsfrei ein Nachholbedarf. Dies erfordert eine engere Zusammenarbeit von Stadt und Polizei.

 

  • F: Ein immer wiederkehrendes Thema ist die mangelnde Sauberkeit in der Stadt.

A: Sauberkeit ist wichtig, kostet jedoch viel Geld.

 

  • F: Belastung der Stadt durch den Tagestourismus.

A: Es muss ein qualitätsvoller Tourismus geschaffen werden.

 

  • F: Was bedeutet die Parteilosigkeit der Kandidatin für ihre Arbeit

A: Statt einer starren Blockbildung muss mit wechselnden Mehrheiten gearbeitet werden. Die sachlichen Argumente stehen dabei im Focus.

 

  • F: Was bedeutet es, als erste Frau die Stadt zu regieren

A: Es gab zwar noch keine Oberbürgermeisterin in Köln, aber ihre Durchsetzungsfähigkeit gründet sich insbesondere auf sachliche Argumentation. Sie würde wohl nicht auf die Mittel zurückgreifen, die Agrippina zu römischer Vorzeit anwendete, die ihre lästigen Kontrahenten einfach vergiftete.

 

  • F: Bezahlbarer Wohnraum geht in Köln immer mehr verloren

A: Bezahlbarer Wohnraum ist die Grundlage für ein gutes Zusammenleben. Die Bearbeitung der eingereichten Bauanträge dauert zu lange, die Verwaltungsabläufe müssen optimiert werden. Die einzelnen Mitarbeiter müssen mehr Eigenverantwortung übernehmen. Genossenschaften wie die GAG müssen unterstützt und gefördert werden.

 

  • F: Was bedeutet der Wirtschaftsstandort Köln?

A: Der Wirtschaftsstandort sichert mit seinem Erfolg die Arbeitsplätze und damit den soliden Haushalt der Stadt. Es ist eine andere Form der Wirtschaftsförderung gefragt, als sie heute praktiziert wird. Es muss gezielt Ansprechpartner geben. Die Förderung von Unternehmen aufstrebender Segmente steht im Vordergrund (Start Up’s). Viele Studenten der Universität wollen nach dem Studium in Köln bleiben. Das Image Kölns muss sich so verlagern, dass sich hier Unternehmen ansiedeln, die für die Absolventen die notwendigen Jobangebote sorgen.

 

  • F: Was ist zum Streik der Erzieher in öffentlichen Kindergärten zu sagen?

A: Die Arbeit an und mit Menschen ist ebenso viel wert wie andere und muss wie andere Arbeit auch bezahlt werden. Die knappen Kassen der Kommunen erlauben aber nur eine schrittweise Anpassung der Bezahlung.

 

  • F: Wer trägt die Schuld an der Skandalbaustelle des Opernhauses?

A: Die Verantwortung trägt der Oberbürgermeister als Amtsträger. Er muss sich jedoch auf die Zuarbeit seiner Mitarbeiter verlassen, allen voran seine Kulturdezernentin, die ebenfalls Verantwortung übernehmen muss. Mit Blick auf ihre Kollegen möchte sie zum gegenwärtigen Zeitpunkt jedoch keine weiteren Statements abgeben und bittet hierfür um Verständnis.

 

  • F: Der Zustand der Uferpromenade ist nicht in Ordnung

A: Dies kann Frau Reker nur unterstreichen und sieht hier ebenfalls Handlungsbedarf.

 

  • F: Inwiefern ist der Rückbau der Bonner Straße auf eine Spur je Fahrtrichtung angemessen?

A: Im Interesse einer zukunftsorientierten Verkehrsplanung müssen ÖPNV und Radverkehr in Köln gestärkt werden. Die Anbindung soll bis nach Godorf verlängert und P+R-Plätze eingerichtet werden.

 

  • Technische Aufgaben werden oft nicht bis zu Ende geplant. Dies betrifft auch Neubaugebiete und deren Infrastruktur. Das „Knowhow“ ist hierbei entscheidend und muss ggf. aus anderen Städten (wie z. B. München) importiert werden. Es ist der Wunsch der Kandidatin, einen langen Atem zu haben und mit einem guten Team zum Erfolg zu gelangen.

 

  • Zum Thema Radfahren in Köln:

Die Radwege befinden sich in einem desolaten Zustand. Es sollten Fahrbahn-Beläge analog zu den Niederlanden eingebaut und gefährliche Wege sicher gemacht werden. Mehr Räder in der Stadt müssen geplant werden.

 

  • Zum Thema „Kölscher Klüngel“:

Es gilt den „Kölschen Klüngel“ abzubauen. Dieser ist verantwortlich für die allgemeine Politikverdrossenheit. Ein offenes Miteinander sollte der Weg sein, um das Interesse der Menschen wieder für die Politik zu wecken. Transparenz in der Verwaltung ist der Ansatz. Kompetenzen müssen sinnvoll verteilt und mit den alten Seilschaften aufgeräumt werden.

 

  • Zum Thema „Haushaltsänderungen konkret“

Eine geänderte Systematik muss eingeführt werden, in der die Prioritäten neu gesetzt werden. Sachliche Beweggründe können zu Entscheidungen führen, die Einzelnen auch wehtun werden. Die Verwaltung verfügt über viel Personal. Serviceorientiertes Arbeiten ist gefragt. Zur Einsparung sollte in der Region enger zusammengearbeitet werden. Dienstleitungen könnten auch zusammen mit anderen Städten erbracht werden. Dies könne z. B. auch bedeuten, dass nicht jede Stadt ihr eigenes Orchester unterhält, sondern dass man ein Orchester auf Landesebene aufbaut. Auch die archäologische Zone muss finanzierbar sein.

 

 

3. Resumé der gewonnenen Eindrücke als Feedback für Frau Reker.

Der zweite Publikumsteil hatte nun das Wort. Viele Besucher der Veranstaltung fassten ihre Eindrücke von der Person Henriette Reker positiv zusammen. Insbesondere vermitteln die meisten der vorgetragenen Eindrücke zur Person, dass sie, Frau Reker, für Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit, Transparenz und Kompetenz in der Sache steht. Diesen dritten Teil der Veranstaltung betrachtet die Moderatorin Carmen Thomas als „Baum der Erkenntnis“ und soll auch für Frau Reker ein Feedback der Veranstaltung für sie selbst ergeben.

 

Während sich zu Beginn der Veranstaltung ein sehr großer Anteil des Publikums als noch unentschlossene Wähler ausgab, reduzierte sich dieser zum Abschluss auf lediglich drei Personen, die noch nicht wussten, wen sie am 13.09.2015 zum OB wählen sollten. Wenn das kein positives Feedback war! Doch warten wir die Veranstaltung am 04.09.2015 mit Herrn Jochen Ott ab.

 

Zum Schluss schenkte Frau Thomas der Kandidatin Reker ein Tuch, das sie aus Tansania mitgebracht hatte. Die dort lebenden Frauen nutzen solche Tücher zum Tragen ihrer kleinen Kinder. Darauf war folgender Spruch auf Swaheli gedruckt: „Bora utu kuliko kitu“ - frei übersetzt nach Carmen Thomas: „Lieber menschlich als sachlich handeln“. (aus https://twitter.com/mamaafrica/status/113276531563954177 : „Good moral character is more important than material wealth“). Dieses Motto sollte Frau Reker, falls sie zur ersten Oberbürgermeisterin Kölns gewählt werden sollte, ein Grundsatz ihres weiteren Handelns bleiben. Viel Vertrauen in die Politik sei verloren gegangen, jetzt liege es in der Hand des neuen Oberbürgermeisters, dieses Vertrauen zurückzugewinnen.

 

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