Am 18.06.2016 um 15:00 h trafen sich Mitglieder der BG und deren Freunde am Haupteingang der Herz Jesu Kirche an der Roonstraße/ Westseite des Zülpicher Platzes. Anlass war ein geführter Streifzug durch die kulinarischen Verstecke des Viertels.

Als fachkundige Führer hatten sich Vera Tolo und Anahita Mehdipor eingefunden. Beide sind Moderatoren des Kulturklüngels, der sich zur Aufgabe gemacht hat, in Themenwanderungen das Interesse an anderen Kulturen zu wecken und Kontakte zu knüpfen.

Vera Tolo ist Dipl.-Geographin und Journalistin, geboren in Bosnien und im Ruhrgebiet aufgewachsen. Heute promoviert sie an der Uni Bonn.

Anahita Mehdipor stammt aus dem Iran und beschäftigt sich als Ethnologin insbesondere mit der iranischen Kultur. Sie engagiert sich für Menschenrechte und schrieb ihre Magisterarbeit über „Die rechtliche Stellung der Frau in der islamischen Republik Iran anhand der Institution der Ehe“.

Insgesamt hatten sich ungefähr 40 (Ess-) Kulturinteressierte angemeldet. Es wurden zwei Gruppen gebildet, die jeweils von einer der beiden jungen Damen geführt wurden. Meine Gruppe folgte Vera Tolo.

Unsere erste Station war das Hola Mundo (Luxemburger Str. 13, 50674 Köln), ein kleiner Laden, in dem wir die peruanische Besitzerin Mercedes kennen lernten. Alle staunten, welche Vielfalt exotischer Lebensmittel aus Peru und Südamerika in diesem kleinen Raum angeboten wurden.

Angefangen mit weißen und schwarzen Kartoffeln, diversen Maissorten, die hier ziemlich unbekannt sind, ein reiches Angebot an Mate Teesorten, eingeschweißte Tüten mit Mus diverser südamerikanischen Früchte, Pisco und Biere aus verschiedenen Ländern und nicht zuletzt Inka Kola.

Während Mercedes uns alles zeigte, bereiteten ihre Töchter im kleinen Nebenraum kleine Tortillas vor, gefüllt mit einer Bohnenpaste, Tomaten und Petersilie. Lecker! Erst beim Essen merkten wir, wie hungrig wir alle eigentlich waren. Schließlich hatten die meisten in Anbetracht der anstehenden kulinarischen Genüsse nur sparsam gefrühstückt.

Die nächste Station führte uns zum Restaurant Lakshmi (Thieboldsgasse 101-103, 50676 Köln). Der Koch stammt aus Sri Lanka und bietet südindische, Sri Lankische uns asiatisch Spezialitäten an. Leider waren alle Tische und Stühle besetzt, als wir hier ankamen. Unsere 2. Gruppe war schneller gewesen als wir. Deswegen führte uns Vera Tolo kurzerhand um die Ecke in die Lungengasse zu Becky’s Afromarkt, Cosmetic and Food. Inzwischen hatte es zum allgemeinen Bedauern zu regnen angefangen. Während der Großteil unserer Gruppe unter Regenschirmen ausharrte, ging Vera zu Becky und ergatterte für uns ein paar Kolanüsse. Aufgrund ihres hohen Koffeingehaltes soll die Kolanuss u. a. stimulierende Wirkung entfalten. Als Vera Tolo gar von einer aphrodisierenden Wirkung berichtete, griffen die kulinarischen Weltreisenden wie auf Kopfdruck danach. Allerdings war die Kolanuss derart bitter, dass sie von den freiwilligen Verkostern sofort wieder ausgespuckt wurde.

Inzwischen hatte sich die andere Gruppe aus dem Restaurant Laksmi entfernt, so dass wir uns nun an die Tische setzten. Je Tisch wurde ein Teller Gemüse-Koma serviert. Dazu erhielt jeder Fladenbrot und eine gefüllte frittierte Teigtasche. Je nach Geschmack standen Soßen auf den Tischen, mit denen nachgewürzt werden konnte. Aber mit Vorsicht, sonst kam man schnell ins Schwitzen. Getrunken wurde hauptsächlich Namkeen-Lassi (ein salziges Joghurt-Mix-Getränk), ein paar entschieden sich für ein Glas Mango-Lassi.

Frisch gestärkt begaben wir uns nun auf den Weg zu Seng Heng (Mauritiussteinweg 75, 50676 Köln), einem asiatischen Supermarkt. Hier kann man alles finden, was man zu einem guten asiatischen Gericht an Zutaten braucht. Links vom Eingang waren auf einer großen Anrichte die nächsten Leckereien angerichtet. Eine hochschwangere Asiatin erläuterte in besten Hochkölsch, was wir hier als nächstes probieren würden. Gefüllte Teigtaschen mit Sojasoße und asiatischen „Germknödeln“. Natürlich hatten „Teigtaschen“ und „Hefeknödel“ asiatische Namen. Nach denen hatte ich jedoch nicht gefragt und vielleicht auch überhört, so dass hier eine kleine Informationslücke bleibt. Aber geschmeckt hat beides hervorragend. Insbesondere hatten es mir die Teigtaschen angetan, von denen ich nicht genug bekommen konnte. Als Höhepunkt wurde uns dann die Durian, die Frucht des Malvenartigen Durianbaumes aus Indonesien oder Malaysia vorgestellt. Das „Fruchtfleisch“ ist süß und hat einen unvergleichlichen Geschmack während der sortenabhängige aromatische Geruch in der Regel als abstoßend empfunden wird. Der Geschmack erinnert an Walnuss und Vanille, jedoch mit einer kräftig fruchtigen Kopfnote und einem deutlichen zwiebeligen Geschmacksanteil. Der Geruch wird vorwiegend von Dithiohalbacetalen verursacht. Aufgrund der Geruchsbelästigung ist die Mitnahme von Durianfrüchten in Hotels, Flugzeugen und anderen öffentlichen Verkehrsmitteln meist nicht gestattet. Verbotsschilder sind eigens hierfür entstanden. Setzt sich der Geruch erst einmal fest, ist es schwierig, ihn wieder loszuwerden.

Letztes Ziel der kulinarischen Weltreise war das Persisches Eiscafé Nobel (Jahnstraße 26-30, 50676 Köln). Hier wurden Schalen mit Rosenwasser-Safran-Eis mit Pistazien herumgereicht.

Zu guter Letzt trafen sich beide Gruppen, vom Essen sichtlich erschöpft, wieder am Zülpicher Platz neben der Herz-Jesu-Kirche ein. Vera Tolo erzählte, dass bei ihrer kurz zuvor gefeierten Hochzeit einiges an Sliwowitz übrig geblieben wäre und hatte genügend kleine Becher bei sich, um die ganze Gruppe mit dem Pflaumenschnaps zu versorgen, den ihr Vater wohl selbst gebrannt hatte. In heiterer Stimmung löste sich danach die Gruppe auf, um sich den restlichen Tag von der anstrengenden Reise zu erholen.

Dirk Kohler

Joomla Installation by ialla.com