Kölscher Ovend im Dorint Hotel 2014

Am 19.09.2014 lud die Bürgergesellschaft zu einem Abend mit dem Titel „Kölscher Ovend“ ins Dorint Hotel ein.

Die Vorankündigung, dass dieser von Wicky Junggeburth gestaltet werden würde, ein Garant für eine außergewöhnliche Veranstaltung, ließ uns, zudem als eingefleischte Karnevalsjecke, nicht lange überlegen, uns dort anzumelden.

In der gewohnt gemütlichen Atmosphäre des Dorint Hotels op d`r schäl Sick, wurden wir zunächst mit Vorspeisen der besonderen Art und dem Motto kölscher Ovend entsprechend, verwöhnt: kölsche Leckereien in modernem Outfit. Himmel und Äd im Gläschen kannten wir bis dahin nicht.

Zum offiziellen Programm wurden wir in einen stimmungsvollen Saal geleitet, der gar nicht karnevalistisch aussah. Die beiden Riesenlautsprecher rechts und links der kleinen Bühne inmitten des Saales, ließen uns dann zunächst lautere Töne und ein kölsches Programm im bekannten Genre, mit Reden, Verzällcher, Musik vermuten und ehrlich gesagt, auch ein bisschen befürchten. Denn, wie der Vorsitzende der Bürgergesellschaft am Ende bei der Verabschiedung des Künstlers Wicky Junggeburth treffend bemerkte, „dat mäht ene echte Kölsche vür dem 11.11. nit“.

Es kam ganz anders.

Wicky Junggeburth hat sich mich seinem Programm, das im Jahr auch außerhalb der Karnevalszeit im Brauhaus Sion in Köln erlebbar ist, mit einer Zeit des Karnevals von 1946 - 1960 beschäftigt. Er ist in Besitz eines einzigartigen Tonarchivs, nach Kennermeinung des größten überhaupt, in dem er wahre Schätze aus der Vergangenheit hütet.

So ist sein Vortrag gespickt mit Original - Einspielungen von damaligen Größen des Karnevals, wie Karl Küpper, dem Eilemann-Trio mit Horst Muys, den Vier Botze, Trude Herr und vielen mehr.

Die meisten Künstler waren mir nur aus Erzählungen meiner Eltern, insbesondere meiner kölschen Mutter bekannt. Umso spannender war es, den Originalausschnitten von alten Tonbändern zu lauschen, die gut ausgewählt, jeweils von Frau Junggeburth am Mischpult und auf Kommando des Chefs, eingespielt wurden.

Lauschen im besten Sinne des Wortes, denn die eingangs erwähnten, großen Lautsprecher dienten alleine dazu, die alten Tonaufnahmen besser hörbar zu machen.

Alleine das Hineinhören in die alten Aufnahmen war ein Hörgenuss. Viel spannender wurde der Vortrag aber, weil Wicky Junggeburth vor jedem Einspieler eine Geschichte oder Anekdote zu der damaligen Zeit und vor allem den politischen Geschehnissen in der damaligen Zeit zum Besten geben konnte. Und zwar op kölsch oder zumindest op kölsch met Knubbele, damit auch der letzte im Saal ihn verstehen konnte. Dadurch wurde der Vortrag auch zu einem spannenden, geschichtlichen Rückblick auf die damalige, zum Teil sehr schwere Zeit, in der die Kölschen aber offensichtlich nie ihren Humor verloren haben. Ein bisschen Wehmut kam auf, als Wicky Junggeburth eindringlich ermahnte, man müsse mehr dafür tun, den kölschen Fastelovend in seinem Ursprung zu erhalten. Der heutige Karneval „verkomme“ immer mehr zu einer Riesenparty mit Witzeerzählern, die die feine karnevalistische Rede nicht mehr beherrschten. Vor allem der Untergang der kölschen Sprache mache ihm Sorge. Aber auch nach diesen vorübergehenden, dunklen Wolken am kölschen Fastelovendshimmel, schien bei Wicky Junggeburth und den Zuhörern im Saal wieder die Sonne und er beendete mit großer Freude über die aufmerksamen Zuhörer sein Programm an diesem Abend.

Langanhaltender Beifall zeigte, dass es allen Zuhörern sehr gut gefallen hat. Nach dem Vortrag wurden noch einige Mitglieder für ihre langjährige Mitgliedschaft geehrt.

Dann gab es, wie es bei der Bürgergesellschaft gute Sitte ist, herrliches Essen, was dem ohnehin schon „köstlichen Abend“ noch die Krone aufsetzte.

Obwohl uns bisher jede Veranstaltung der Bürgergesellschaft, an der wir teilgenommen haben, sehr gut gefallen hat, war der kölsche Ovend sicherlich ein ganz besonderer.

Beate Reiprich

 

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