Mit Musik und Tusch erfolgt der Einmarsch der Plaggeköpp zusammen mit den Rezag Husaren. Mittendrin der Bürgerpräsident Michael Melles als Sitzungspräsident.

Doch wo ist der Elferrat? Auf der Bühne angekommen ergreift Präsident Michael Melles das Wort und verkündet zwei Jubiläumsüberaschungen hinsichtlich der Sitzung: Zum einen wird er die Sitzung nicht alleine leiten, sondern im Wechsel mit einen weiblichen Pendant, Frau Hammacher-Linnenberg.

Dies erfolge aus der langen Tradition und dem Selbstverständnis der Bürger und ihrer Mitglieder als moderne, gestalterische gesellschaftliche Kraft heraus. Zum Zweiten werden die Mitglieder des Elferrates jetzt einzeln auf die Bühne gerufen. Der Einfall ist gut. Sie erscheinen nämlich in Kostümen jeweils ein viertel Jahrhundert voranschreitend von 1863 an und stellen eine herausragende Persönlichkeit der Bürgergesellschaft der entsprechenden Zeit dar.

Nachdem auf und von der Bühne aus alles ge- und erklärt worden war und auch die Begrüßung der Gäste und Honoratioren und Honoratiorinnen nicht vergessen wurde, begann ein buntes, karnevalistisches Programm. Zunächst führten die Rezag Husaren eine fulminante Tanzshow vor, die den Saal in Begeisterung versetzte. So manchem männlichen Zuschauer dürften schon beim zuschauen der einzelnen Tanzstücke die Schweißperlen auf die Stirn getreten sein. Jubelnder Applaus war der verdiente Lohn. Danach das Kölner Dreigestirn in kleiner Begleitung (leider ist die Bühne des Dorintsaales nicht sehr groß). Trotzdem ein toller Auftritt. Prinz, Bauer und Jungfrau wussten zu begeistern und ihr eigenes Sessionslied hatte den richtigen Schwung. Und natürlich vergaßen auch die hohen Tollitäten es nicht, der Bürgergesellschaft und ihrem 1. Vorsitzenden zum 150-jährigen Jubiläum zu gratulieren wie es auch viele der auftretenden Künstler taten. In bunter Reihenfolge ging es weiter und die Stimmung im Saal gedieh prächtig und stieg teilweise bis zum Anschlag an. Das war natürlich in erster Linie den auftretenden Künstlern zu verdanken aber auch der gut organisierte und flinke Saalservice hat sein Scherflein dazu beigetragen. Er sorgte dafür, dass niemand auf dem Trockenen saß und für feste Nahrung war auch gesorgt und das alles zu vertretbaren Preisen. Wenn es den Umfang dieses Berichtes nicht sprengen würde, so wäre es jeder aus der in dieser der Jubiläumssitzung auftretenden Künstlerschar wert, gesondert hervorgehoben zu werden. Ob es der Tuppes vum Land oder Cat Ballou, Wicky Junggeburth, Ne kölsche Polizist oder die Bläck Föös waren, sie alle haben Stimmung und gute Laune verbreitet. Nicht zu vergessen die Lyskirchener Hellige Knäächte un Mägde mit ihren akrobatischen Tanzeinlagen (auch sie konnten sich wegen der kleinen Bühne nicht voll entfalten), die Domstadtbande und Edno Bommel. Es lief alles rund. Doch sei es dem Schreiber gestattet, einen Punkt etwas Kritik anzubringen. Der Karneval in Köln wie am gesamten Niederrhein geht immer mehr von Redebeiträgen zu reinen Musikeinlagen über. Dagegen ist prinzipiell nichts einzuwenden. Allerdings scheinen die jungen Bands, die jetzt nach vorne drängen, etwas nicht verstanden zu haben. Denn das Aufdrehen der Verstärkeranlage auf gefühlte 10 000 Watt, so dass man meint, bei den ersten Gitarrenakkorden fliegt die hintere Saalwand weg und dem brüllen eines Endlosreims bei stampfenden Rhythmus in die Mikrofone verbunden mit der Aufforderung doch mal alle aufzustehen macht noch lange keine Stimmung. Es geht auch anders wenn man sich den Auftritt der Bläck Föös ansieht und geradezu wohltuend war nach Cat Ballou für viele am Tisch des Schreibers Wicky Junggeburth und seine feine Art kölschen Karneval sowohl rednerisch als auch musikalisch zu präsentieren. Auch die vergnügliche „Stille“ ist Karneval. Doch genug der Kritik. Was bleibt ist die Erinnerung an eine rundum gelungene Jubiläums- sitzung die ihre vielen Gäste nach ihrem Ende zufrieden nach Hause oder zu weitren Vergnügungen entließ. Nicht zu vergessen ist jedoch der Dank an alle, die in monatelanger Arbeit und aktiven Einsatz am Sitzungstag zum gelingen der Veranstaltung beitrugen. Eingeschlossen sind darin selbstverständlich auch diejenigen die mit ihrem Rat, ihren Verbindungen und materieller Unterstützung ebenfalls die Sitzung ermöglicht haben. Namentlich und stellvertretend für alle möchte ich hier Martina Wipperfürth anführen, den guten und fast unsichtbaren Geist hinter den Kulissen, ohne deren Wirken wohl einiges nicht so perfekt abgelaufen wäre. Herzlichen Dank und bis zum nächsten Jahr ein dreifaches Kölle Alaaf.

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