Mer puscheln för Üsch! – oder: die Bürgersitzung aus Sicht des Elferrats

 

Die diesjährige Sitzung der Bürgergesellschaft begann für uns Elferräte bereits am 18. Januar. Morgens um zehn trafen wir uns in einer Kölner Tanzschule, um nicht nur unsere Kostüme zu koordinieren, sondern auch unseren spontanen Flashmob am Ende der Sitzung zu üben. Zunächst hieß es erst einmal zwei Stunden lang die Choreographie einzupauken. Dabei machten einige von uns auch bereits erste Bekanntschaft mit dem Utensil, welches uns diese Session durch die Sitzung begleiten sollte: den rot-weißen Cheerleader-Puscheln. Danach musste Caroline noch eine Stunde lang memorieren, was wir so unter ihrer Vorgabe „einfarbig bunt“ verstanden hatten, und sich mit viel Phantasie vor ihrem geistigen Auge ausmalen, wie das in der Summe wohl auf der Bühne aussehen werde. Aber souverän ließ sie uns noch untereinander das ein oder andere Shirt oder Accessoire tauschen, und mit nur einigen wenigen Hausaufgaben im Gepäck gingen wir dann wieder auseinander – hier musste noch ein Hut beschafft, da eine Strumpfhose besorgt werden. Und wer sich in den nächsten Wochen im öffentlichen Personennah- und -fernverkehr fragte, warum da Leute auf ihrem Platz so komische Verrenkungen machten, der war wohl auf ein Mitglied unseres Elferrats getroffen, denn wir nutzten jede Gelegenheit, unseren Tanz einzustudieren: Kreisklatschen und dann die Arme rechts, links, rechts, rechts – links, rechts, links...

Am Sonntag vor Karneval trafen wir uns dann wieder bereits vormittags am Ort des Geschehens, dem Dorint an der Messe. Auch hier war zunächst einmal Phantasie gefragt, um unsere Aufstellung für den Flashmob unter Berücksichtigung des noch nicht anwesenden Orchesters Touché im wahrsten Sinne des Wortes auf die Reihe zu bekommen. Doch auch wenn das Wo noch nicht ganz perfekt war, das Was klappte schon ziemlich gut, obwohl unser Vorsitzender uns vorab Absolution erteilte und prophylaktisch erklärte, er habe ja in den drei Wochen schon wieder alles vergessen – die vielen Testläufe in Bus und Bahn hatten ihre Wirkung getan. Was allerdings auch Wirkung tat, nämlich auf die Muskulatur unserer Arme, das waren die Cheerleader-Puschel, so dass der gesamte Elferrat froh war, als schließlich die Ansage kam, wir dürften diese am Ende der Sitzung ablegen und würden sie für unseren Tanz nicht einsetzen. Und die offizielle Begründung, mit den Puscheln könne man unsere grazilen Handbewegungen nicht mehr so gut sehen, schmeichelte uns natürlich sehr. Nun galt es noch herauszufinden, wie man im kompletten Saal am einfachsten und schnellsten das gesamte Licht aus- und danach vor allem wieder einschalten kann, dann waren wir auch schon fast in die Literatenbar entlassen. Aber vorher noch einmal schnell einen letzten Durchlauf, also: Kreisklatschen und dann die Arme rechts, links, rechts, rechts – links, rechts, links...

Aus den Erfahrungen der letzten Sitzungen hatten wir gelernt, dass es völlig illusorisch ist zu glauben, der komplette Elferrat könne vor der Sitzung gemeinsam essen. Stets war noch im Saal, an den Kostümen, der Schminke oder sonst wo letzte Hand anzulegen. Also gab es als Neuerung in diesem Jahr für uns nicht den reichhaltigen Imbiss am Elferratstisch im Restaurant des Dorint, sondern ein kleines, Kraft spendendes Buffet gegenüber in der Literatenbar. So konnten wir uns individuell mit Gulaschsuppe und Halven Hahn für unsere Cheerleaderdienste stärken und darüber fachsimpeln, wie man die Puschel denn nun am gescheitesten hält, so dass sie herumgewirbelt gut aussehen, dabei aber auch nicht zu schwer in den Händen werden. Der Ablauf der Sitzung wurde noch einmal durchgegangen und auf die ersten Mobilfunk-Rückmeldungen der Künstler abgestimmt; die Puschel wurden im Gestühl auf der Bühne parat gelegt; die Damen hatten Gelegenheit, den Sitz der eigenen falschen Wimpern, sowie den der original Sessionskrawatten an ihren Männern ein letztes mal zu korrigieren; die Orden der Bürgergesellschaft wurden verliehen; und bevor schließlich die Strüßjer für den Aufzug in den Saal verteilt wurden, war bei den meisten auch noch rasch Zeit für einen schnellen, letzten Durchgang: Kreisklatschen und dann die Arme rechts, links, rechts, rechts – links, rechts, links...

Dann hieß es Aufstellung mit den Plaggenköpp zum Einmarsch! Schon bei der Stattgarde Colonia Ahoi wirbelten wir die Puschel fast noch mehr, als die Tänzer ihre Jungs bei den Hebefiguren. Nur bei den Bläck Fööss tauschten wir noch einmal kurz Puschel gegen Mikrofon, denn den Fööss dankte der Elferrat für deren zahlreiche Auftritte bei den „Bürgern“ mit einem von Caroline verfassten Ständchen: „Danke för de Leedcher!“. Doch spätestens bei der letzten Gruppe auf der Bühne, den Domstürmern, waren wir dann endgültig eins geworden mit unseren Puscheln. Die Hymne „Meine Liebe, meine Stadt, mein Verein“ hätten auch die Cheerleader des 1.FC Köln nicht besser begleiten können – und ebenso standen die „Bürger“ im Saal den Fans auf der Südtribüne in nichts nach! Aber wer dachte, das sei nun der Höhepunkt gewesen, der hatte die Rechnung ohne unseren Elferrat gemacht. Noch während der Abmoderation durch Caroline und Michael ging plötzlich die komplette Beleuchtung aus, und als es nach einem kurzen Moment der Überraschung wieder hell war auf der Bühne, hatten wir uns dort aufgestellt, die Musik begann, und wir rissen nicht nur die paar heimlich vorher eingeweihten „Bürger“ mit unserem Flashmob von den Sitzen: Kreisklatschen und dann die Arme rechts, links, rechts, rechts – links, rechts, links... Ston up un danz!

 

 

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