Es ist Hochsommer, das Thermometer zeigt über 30° und Andrea Breuer hat mich

gebeten, einen Bericht über die vergangene Sitzung der Bürgergesellschaft zu schreiben,

die meine Frau und ich zum zweiten Mal als Gäste besuchen durften. Ich werde

versuchen dem trotz der Hitze gerecht zu werden, zumal mir diese Veranstaltung noch in

recht guter Erinnerung geblieben ist.

Erst einmal sei angemerkt, dass der Ort und der Zeitpunkt der Veranstaltung klug gewählt

wurden. Der Termin an einem Sonntag-Nachmittag ist bestens geeignet, eine richtige

Familiensitzung durchzuführen, was die anwesenden Kinder – vom Säugling bis zum

Teenager – bewiesen haben und direkt für eine lockere Atmosphäre im Saal sorgten.

Das Dorint-Hotel-Messe liegt verkehrsgünstig in der Nähe des Deutzer Bahnhofs und

bietet für die Durchführung einer Sitzung alle Voraussetzungen bei angemessenen

Preisen und netter Bedienung. Die Möglichkeit, vor der Sitzung einen Imbiss einzunehmen

oder nach der Veranstaltung in der zum Hotel gehörenden Braustube den Abend

ausklingen zu lassen, wie wir es mit unseren Freunden getan haben, konnte diese Sitzung

optimal abrunden und daher haben die Organisatoren auf die sonst übliche Sitzungspause

verzichtet, was der Veranstaltung in Bezug auf die Stimmung sicher gutgetan hat.

Beim Betreten des Saales fällt einem sofort auf, dass auf der Bühne auf ein starres

Elferrats-Gestühl verzichtet wurde und statt dessen einige Stehtische in lockerer

Anordnung aufgestellt waren. So zogen auch pünktlich zu Sitzungsbeginn um 15.00 Uhr

die Damen und Herren des Elferrates ein. (Waren es mehr oder weniger als elf – ich habe

sie nicht nachgezählt) Sie hatten sich dem Motto der diesjährigen Session (Zokunf – mer

spingkse wat kütt) angepasst gekleidet, in sehr futuristischen Kostümen, die wohl

Raumanzüge darstellen sollten, mit auffallenden Kopfbedeckungen in leuchtenden blauen

und silbernen Farben. Angeführt wurden sie vom Sitzungspräsidenten und 1. Vorsitzenden

Michael Melles, wie im Vorjahr unterstützt von Caroline Hamacher-Linnenberg, die sich auf

der Bühne die Moderation teilten.

Begleitet wurde der Aufzug zu Sitzungsbeginn durch die „Hellige Pänz“, der Kinder- und

Jugendtanzgruppe der goldenen „Lyskircher Hellige Knäächte un Mägde“. Da das

gleichzeitig vorgesehene Kinder-Dreigestirn sich etwas verspätet hatte, konnte Michael

Melles zunächst die anwesenden Gäste und insbesondere einige Ehrengäste der

Bürgergesellschaft gebührend willkommen heißen und entsprechend begrü.en. Die kleine

Verzögerung ist wohl den Wenigsten im Saal aufgefallen und dann kam ja auch die

Kinder-Equipe mit den herrlich ungezwungenen Kinderfiguren als Prinz -Bauer und

Jungfrau, die wie die „Großen“ agierten. Nach den Regularien, die auch bei den Kindern

üblich sind, konnten dann auch die Jüngsten der „Helligen Knäächte und Mägde“ ihr

Können unter Beweis stellen. Nicht nur für Eltern und Großeltern ein herzerfrischender

Anblick und der Applaus des Publikums würdigte die Leistung.

Den Reigen der Redner eröffnete ein Newcomer des Kölner Karnevals mit Namen Volker

Weininger. Endlich einmal wieder eine Typenrede, die so selten geworden ist. Leider

gleitet der heutige Karneval immer mehr in die Comedy ab und es fehlen die Kölschen

Typen. Als betrunkener Sitzungspräsident brachte er den Saal, auch durch sein

schauspielerisches Talent, in die richtige Stimmung. Danach kam Wicky Junggeburth mit

seinen herrlichen, echt kölschen Parodien und seinen kölschen Verzällchen, der die leisen

Töne bevorzugt und mit Recht eine große Fangemeinde hat. Als ihn die bezaubernde

Caroline Hamacher-Linnenberg in ihrem reinsten Oxfort-Kölsch bedankte und

verabschiedete, war auch sein Erstaunen groß. Mir, als altem Karevals-Hasen geht bei

diesem herrlichen gesprochenen Kölsch jedesmal das Herz auf, da nur wenige unsere

Muttersprache so perfekt beherrschen. (Für Insider ist dies kein Wunder, da ihr Großvater

der legendäre Rote-Funken-Präsident Eberhard Hamacher war)

Weiter im Programm ging es dann mit Thomas Küpper, der nicht nur hervorragend die

Lieder von Willi Ostermann – selbst mit Akkordeon begleitet – vorträgt, sondern auch im

Äußeren mit schwarzem Bibbi Ostermann imitiert. Herrlich auch seine blöden Witze über

Friedhof und Beerdigung, die das Publikum zu Lachstürmen brachte.

„Kuhl un de Gäng“ sind eine jüngere Musikgruppe im Kölner Karneval, die mit ihrer

kölschen Pop- und Soulmusik besonders das jüngere Publikum ansprechen und als gute

Mischung im Programm den Reigen der Auftretenden fortsetzten. Als nächster Redner

wurde dann der „Tuppes vum Land“ angekündigt. Ein Redner, der durch seinen Vortrag in

Reimform die Lacher herausfordert und zugleich auch sehr tagesaktuell ist. Ich sehe und

höre ihn immer wieder gerne. Jetzt gab es auf der Bühne wieder etwas für das Auge, den

Aufzug des „Dellbrücker Buure Schnäuzer Ballettes“. Eine herrliche Persiflage auf die

Kölner Corps, gepaart mit sorgfälltig einstudiertem Männer-Ballett in Kostümen, die an die

Trachten der Buure aus vergangenen Zeiten erinnert. Einfach nur schön! Einer der

Spitzenkräfte des Kölner Karnevals durfte bei der Bürgergesellschaft nicht fehlen, und so

brachte der von Bühne und Fernsehen bekannte Bernd Stelter mit seinem

unnachahmlichen Vortrag und Gesang den Saal in die richtige Hochstimmung.

Eine der großen Kölner Nachwuchs-Bands Cat Ballou mit ihren Hits „Ming Stadt“ und „et

jit kei Wood“ brachten noch einmal modernere Kölsche Töne auf die Bühne, bevor der

Saal aus allen Nähten platzte, als die große Blaskapelle der Domstädter einzog, um mit

ihrem großen Repertoire an Kölschen Liedern einen würdigen Abschluß dieser

gemütlichen Sitzung zu setzen. Unerwähnt bleiben sollte nicht die vorzügliche Saalkapelle

Touché, die immer die richtigen Töne fand und maßgeblich zum Gelingen der

Veranstaltung beigetragen hat.

Danke an alle Verantwortlichen und Helfer, insbesondere dem 1. Vorsitzenden Michael

Melles und seiner Frau Andrea Breuer für eine schöne Sitzung der Bürgergesellschaft

Köln und hoffentlich auf ein Wiedersehen am 8. 2. 2015

Bernd Hölken

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